Wie wechselt man eine Gelenkwellenmanschette?

Gelenkwellen in PKW sind Wartungsfrei, ihre Gelenke sind mit Manschetten umgeben, in denen sich ein regelrechtes Dauerfett befindet. Dieses Fett überlebt normalerweise die Lebensdauer der Gelenkwelle. Neben den Gelenken sind auch die Manschetten einer hohen Belastung ausgesetzt. Die höchste Beanspruchung haben die Manschetten im Bereich der gelenkten Teile, da diese, neben den Lenkbewegungen auch der ständigen Federwegbelastung zwischen den gefederten Teilen (Getriebe) und den ungefederten Teilen radseitig ausgesetzt sind. Die äußeren Gelenkwellenmanschetten sind auch noch mechanischen Belastungen ausgesetzt wie Staub, Steinschlag, Schnee, Eis und Wasser da diese im ungeschützten Bereich des Fahrzeuges liegen.

Defekte an den Manschetten

Bei der regelmäßigen TÜV- Kontrolle und den Inspektionen werden die Manschetten auf Verschleißerscheinungen kontrolliert wie austreten von Fett oder ob diese porös sind. In beiden Fällen ist es nötig, die Manschetten zu wechseln. Ein weiterer Mangel ist ein Defekt der durch mechanische Einwirkung entsteht, also, ein sofortiger Defekt der auch an neuen Gelenkwellenmanschetten entstehen kann. Durch den Defekt wie ein Riss oder Loch kann das Gelenkwellenfett austreten und sich im gesamten Rad und Bremsanlagenbereich verteilen. Das Fett beeinträchtigt das Bremsverhalten des Fahrzeuges und durch den Fettmangel am Gelenk wird dieses nicht mehr ordnungsgemäß geschmiert, was zu einem Defekt am Gelenk führt, von der Umweltverschmutzung mal abgesehen.

Gelenkwellenmanschette Auto

Neue Gelenkwellenmanschette beschaffen

Bevor mit den Demontagearbeiten begonnen wird, benötigt man natürlich erst einmal eine neue Manschette. Ist die alte Manschette nur geringfügig defekt, könnten noch kurze Strecken mit dem Fahrzeug bewältigt werden, zumindest bis zur nächsten Werkstatt oder dem Teilehandel. Dieses setzt allerdings voraus, dass sich noch Fett in der Manschette und am Gelenk befindet, ist allerdings keine Garantie, dass das Gelenk total ausfällt und damit eine neue Gelenkwelle oder ein Gelenk benötigt wird.

Für die Beschaffung benötigt man die genauen Fahrzeugdaten, diese entnimmt man dem Fahrzeugschein. Es kann auftreten das durch Modifizierungen im Produktionsablauf der Fahrzeugserie Veränderungen vorgenommen wurden, dann ist noch die Motorkennzahl nötigt. Diese Kennzahl steht allerdings nicht in den Fahrzeugpapieren, ist aber durch Aufkleber mit den benötigten Daten im Fahrzeuginneren kenntlich gemacht. Man findet diese Aufkleber im Koffer- oder Motorraum, selten im Türrahmen der Fahrertür. Auskunft darüber kann die Fachwerkstatt des jeweiligen Herstellers geben.

Worauf man beim Kauf achten sollte?

Wer die Wahl hat, hat die Qual, da für jeden Fahrzeugtyp in allen Preisklassen Manschetten angeboten werden. Bei Kauf einer sehr preiswerten Manschette gibt es auch nur eine Manschette, Fett, Befestigungsteile sowie fahrzeugspezifische Teile sind nicht enthalten. Bleibt nur die alten Teile zu verwenden, was oft nicht mehr möglich ist, da meistens beim entfernen der Befestigungsteile der Manschette diese deformiert werden und sich nicht mehr wieder verwenden lassen.

Besser ist es ein Manschetten –Kit für das Fahrzeug zu kaufen, in diesem sind alle Teile die benötigt werden enthalten inklusive dem passenden vom Gelenkwellenhersteller vorgeschriebenen Fett.

Vorbereitungsarbeiten

Vor Beginn der Arbeiten sollte man sich informieren, ob Spezialwerkzeuge benötigt werden. Neben ordentlichen Grundwerkzeugen sind je nach Fahrzeugtyp noch diverse Abzieher oder Abdrücker nötig. Neben dem Wagenheber sollte noch ein dem Gewicht es Fahrzeuges entsprechender Unterstellbock vorhanden sein.

Wechsel der Manschetten

  • Das Fahrzeug auf eine ebene Fläche stellen, Handbremse anziehen, Hinterräder mit Vorlegekeile sichern.
  • Achsmutter lösen und abschrauben, im Kit sollte eine neu Mutter befinden, da es sich um eine selbstsichernde Mutter handelt darf und sollte diese nicht zweimal verwendet werden. Befindet sich im Kit keine neue Mutter muss diese extra gekauft werden.
  • Radmuttern lösen, Fahrzeug mit den Wagenheber anheben, günstig ist es das Fahrzeug soweit wie möglich anzuheben, je besser lässt es sich arbeiten. Mit einem Unterstellbock das Fahrzeug sichern. Es empfiehlt sich den Wagenheber nach dem ablassen des Fahrzeuges auf den Unterstellbock, wieder etwas anzuheben und zwar soweit, dass dieser fest unter dem Fahrzeug sitzt aber dieses nicht vom Unterstellbock abhebt (als zusätzliche Sicherheit), da es beim Montieren zu erheblichen Fahrzeugbewegungen (wackeln) kommen kann. Radmuttern abschrauben und Rad abnehmen.
  • Die Befestigungsmutter vom unteren Querlenker (Dreieckslenker, Achse) entfernen. Den zum Fahrzeug passenden Abdrücker aufsetzen und die Achse (Kugelgelenk, Bezeichnung je Fahrzeugtyp unterschiedlich) aus der Befestigungsaufnahme der Achse, Bremsanlage und Federbein herausdrücken.
  • Sitzt der Bolzen sehr fest und ist mittels Ausdrücker nicht zu bewegen, kann eine Brechstange in den Querlenker eingeschoben werden, eine Hilfsperson drückt diese nach unten und hält dies unter Druck fest. Der Monteur schlägt mit einem Hammer mit kurzen kräftigen Schlägen gegen die Führung des Bolzen. Ist durch den Abdrücker kein Platz zum schlagen muss dieser vorher entfernt werden. Es kann passieren, dass schon nach den kurzen kräftigen Schlägen der Bolzen aus der Aufnahme rutscht, vorausgesetzt die Hilfsperson drückt die Achse kräftig nach unten.
  • Achtung, beim Drücken nicht mit der Brechstange federn!
  • Achtung, Standsicherheit des Fahrzeuges beachten!
  • Springt der Bolzen nicht selbstständig heraus, nach dem Schlagen den Ausdrücker wieder verwenden, gegebenenfalls mehrfach die Arbeitsschritte wiederholen.
  • Geht nach mehreren Versuchen immer noch nichts, kann der Bolzen mit etwas Rostlöser eingesprüht werden (es sollte dabei kein Rostlöser in die Schutzmanschette des Kugelgelenkes laufen.
  • Den Rostlöser einwirken lassen (mehrere Minuten) und die Arbeitsschritte wiederholen.
  • Die Befestigungsaufnahme des Federbeines von der Achse ziehen, sollte die Gelenkwelle nicht herausrutschen, mittels Montierhebel, der zwischen Achsgelenk und Befestigungsaufnahme gesteckt wird, die Gelenkwelle herausdrücken. Das Federbein Richtung Heck neben dem Achsträger parken. Die Gelnkwelle ist frei.
  • Achtung! Bei manchen Fahrzeugtypen ist der Bremsschlauch zu kurz und hält die Befestigungsaufnahme fest, diesen dann abschrauben und den Schlauch sofort nach oben halten und ggf. festbinden, dadurch wird verhindert, dass zuviel Bremsflüssigkeit ausläuft.
  • Die Befestigungsteile (Schelle), eine große Radseite und eine kleine Getriebeseite, entfernen, die Manschette aufschneiden und abnehmen. Das alte Fett entfernen und die Bauteile im Bereich der Manschette gründlich säubern.
  • Je Fahrzeugtyp ist das abnehmen des Gelenkes unterschiedlich, dabei haben einige Typen getriebeseitig eine Federspange die entfernt werden muss um das komplette Gelenk abziehen zu können oder das Gelenk wird mit einem kurzen Ruck von der Welle gezogen.
  • Die neue Manschette mit den einzelnen Bauteilen Getriebeseite aufschieben, neue Federspange und Kunststoffaunahme (je Fahrzeugtyp unterschiedlich) erneuern, dass mitgeliefert Fett in die Manschette drücken und das Gelenk wieder aufsetzen. Sollte das Gelenk keinen festen Sitz haben, einen Holzklotz vor die Achse halten und mit einem kurzen leichten Hammerschlag das Gelenk auf den Wellenansatz aufschlagen (auf die Verzahnung achten).
  • Die Gummimanschette über den Manschettenring des Gelenkes schieben, Gummimanschette mittels neuen Spannbändern befestigen.
  • Die Gelenkwelle durch die Achsaufnahme (Mitte der Bremsscheibenbefestigung) schieben den Dreieckslenker etwas nach unten drücken und das Kugelgelenk wieder in die Führung des Federbeines einführen und mittels Mutter wieder befestigen.
  • Gegebenenfalls, den Bremsschlauch wieder befestigen. Bei Bedarf Bremsanlage auf dieser Seite entlüften.
  • Gelenkwellenmutter befestigen, Rad montieren, Fahrzeug abbocken, Gelenkwellenmutter und Radmuttern festziehen (wenn möglich Drehmomentschlüssel benutzen).

Je Fahrzeughersteller werden unterschiedliche Bezeichnungen der Bauteile verwendet, Werkstätten oder Teilehändler drücken sich sehr oft kompliziert aus oder machen alles kompliziert. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen zumindest wenn es um den Kauf eines Manschette – Kits geht. Wenn alles kompliziert gemacht wird gerade was Spezialwerkzeuge betrifft sollte man sich fragen:

Warum befinden sich in den Werkstätten große Fäustel, Vorschlaghämmer sowie große Brechstangen und Montierhebel?

Sollte es bei der Demontage nötig sein zusätzlich Befestigungsteile zu lösen und zu entfernen sollte man sich vorher informieren, ob es sich um Einstellschrauben für die Achsgeometrie handelt. Wenn diese bei der Montage nicht wieder genau in der selben Stellung montiert werden, stimmt die Achsgeometrie nicht mehr. In den meisten Fällen steht nach der Montage das Lenkrad schief, im schlimmsten Fall muss ständig gegengelenkt werden um das Fahrzeug in der Spur zu halten. Tritt eines dieser Fälle auf ist ein einstellen der Achsgeometrie nötig. Eine nicht ordentlich funktionierende Achsgeometrie wie Sturz oder Spur verändert das Fahrverhalten des Fahrzeuges, führt zu erhöhten Reifenverschleiß und erhöht die Unfallgefahr.

Schreibe einen Kommentar