Stress auf der Fähre

Auf einer Fähre kannst du beobachten welchen Stressfaktoren viele Fahrer ausgesetzt sind. Sie sind ständig auf der Flucht. Obwohl das Schiff nicht schneller fährt, man sieht wie sie die Treppen hoch laufen, anstelle in Ruhe die Fahrt als Pause zu genießen.

Ganz wichtige Leute die ihr Funktelefon unbedingt immer bei sich haben müssen, was immer sehr gut aussieht, wenn sie am Tisch in Telefon brüllen, als wollten sie den dritten Weltkrieg auslösen. Viele debattieren dabei am Tisch in einer horrenden Lautstärke, als würden sie an der Börse mit Millionen handeln.

Lustig ist auch zu beobachten, wie ganz sparsame Fahrer Milch, Zucker, Salz und andere Dinge in ihre Tasche verschwinden lassen, das Bordpersonal wünscht das nicht.

Viele würde selbst beim Essen noch drängeln, schieben und den Vordermann antreiben, selbst wenn es an der Kasse nicht schneller geht, sie sind eben ganz wichtige Wichtigtuer.

Stress, Druck, Romantik oder Abenteuerlust, es lässt sich eben nicht beschreiben diesen Job aus macht. Eine eigene Welt, weit ab von der Normalität. Eine eigene künstlich inszenierte Welt. Hektik die man vermeiden kann, mit etwas mehr Rückgrat und Verstand. Die Angst zu spät zu kommen treibt eine große Maße an.

Selbst die Touristen hassten über das Schiff, als wären ein Rudel Wölfe hinter ihnen her.

Kinder werden hin und her gerissen, gezerrt vom Restaurant zum Shoppen und noch schnell auf die Toilette, aufs Deck und später von Angst getrieben das Auto nicht zu finden.

Da dies meine letzte Fahrt mit einem LKW auf der Fähre ist, nehme ich mir die Zeit alles nochmals zu überdenken. Ich bin die Treppe immer ruhig und gelassen hochgegangen, habe nie gedrängelt und bin rücksichtsvoll gefahren. Mein Ziele habe ich auch nicht später wie meine Kollegen erreicht, es geht auch in Ruhe.

Ein Blick auf das Wasser lässt die Zeit stillstehen. Der Natur ist es egal ob ein Stück Blech oder ein Autokühler (habe ich geladen) Minuten genau ankommt. Kann doch etwas Wasser in Sekunden alles zerstören, was vorher so super wichtig war. Dabei denke ich an die Opfer der Estonia, die in der Ostsee versank, an die Flutopfer vom Hochwasser in Frankreich und Deutschland. Ich denke an die LKW Fahrer die wie Teufel jahrelang gefahren sind, gedrängelt haben, ihr Leben riskiert um immer nur pünktlich zu sein. Und nun?

Alles den Bach runter. Werden Sie wieder von vorne anfangen? Werden sie nun noch rücksichtsloser fahren, um Verlorengegangenes wieder aufzuholen?

Für unser Fehlverhalten werden wir bestraft, von der Natur oder von der Straße. Nur gelassen und ruhig mit gesunden Menschenverstand ohne Hetzerei und unnötigen Termindruck lässt sich alles bewältigen.

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