Auto warmlaufen lassen ist verboten

Die kalte Jahreszeit hat für Autofahrer ihre Tücken, der Fahrgastraum ist eiskalt und die Scheiben sind außen und innen total verreist. Die Scheiben von außen zu enteisen entweder mit Eiskratzer oder Scheibenenteiser ist noch machbar, sind die Scheiben von innen vereist und der Eiskratzer oder Enteiser wird benutzt, sieht das Armaturenbrett furchtbar aus.

auto-warmlaufen-lassen-ist-verboten-1

Wird der Fahrgastraum wärmer, hat man überall Wasserflecken und es muss alles trocken gewischt werden. Die wohl extremste Scheibenvereisung tritt auf, wenn auf die Scheibe bei Frost noch Regen fällt, eine mehrere Millimeter dicke Eisschicht bildet sich vor allem auf der Frontscheibe.

Selbst die Heckscheibe mit Heizung hat Probleme das Eis loszuwerden. Zu dieser Situation kommt noch der Zeitverlust beim Enteisen der Scheiben, schließlich drückt die Zeit, da der Arbeitsbeginn naht. Bei sehr dicken Eis auf der Frontscheibe versagt Enteiser und Eiskratzer, bleibt nur noch den Motor laufen zu lassen, so dass die Fahrzeugheizung den Auftauvorgang beschleunigt.

Den Motor warmlaufen lassen ist verboten, geregelt in der STVO § 30, unnötige Lärmbelästigung und Umweltverschmutzung. Dabei handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit und wird laut Bußgeldkatalog mit 10 € bestraft, Punkte in Flensburg gibt es nicht.

Warmlaufen lassen oder Warmfahren?

Starten und sofort Vollgas ist nicht die beste Lösung, da die Motorbauteile aus verschiedenen Materialien bestehen und diese sich unterschiedlich erwärmen. Es ist also ratsam, wenn warmlaufen lassen verboten ist, den Motor warm zufahren, somit die ersten paar Kilometer in Ruhe bewältigen bis die Betriebstemperatur von ca. 80° C erreicht ist.

Es gibt Motorentwickler die behaupten, dass ein moderner Motor sofort Vollgas verträgt. Das sich schleichend der Verschleiß einstellt, an Kolben die sich zuerst erwärmen dehnt sich schneller als die Zylinder, diese brauchen auf Grund des umgebenen Kühlwassermantel etwas länger, der Kolben passt nicht mehr, dabei entstehen Riefen an den Zylinderwänden.

Diese Schädigungen werden von den Motorentwicklern nicht erwähnt, schließlich arbeiten sie für die Autoindustrie und je früher ein Motor verschleißt, je früher kann man einen neuen Motor oder Auto verkaufen. Die Schäden schleichen sich langsam ein und der Fahrer merkt es kaum, folgen der Verschleißerscheinungen sind später Leistungsverlust ein höherer Kraftstoff- und Ölverbrauch und weitere Schäden an weiteren Bauteilen.

Alternative Standheizung oder Motorvorwärmer

Standheizung

Eine Standheizung ist eine Alternative, um einen warmen Fahrgastraum und damit freie Scheiben zu haben. Eine Standheizung kann im Motorraum oder je Fahrzeug Typ auch hinter vorderen Stoßstange eingebaut werden. Die Versorgung mit Elektroenergie kommt bei einer herkömmlichen Standheizung von der Autobatterie, der Brenner arbeitet mit Kraftstoff.

Der Haken dabei ist, nur wenn das Fahrzeug täglich viele Kilometer fährt, wird die verbrauchte Energie aus der Autobatterie wieder nachgeladen. Im Winter laufen eine Vielzahl von elektrischen Verbraucher wie Lüfter, Spiegel- und Heckscheibenheizung, Sitzheizung, Fahrzeugbeleuchtung und Scheibenwischer auch tagsüber mit.

Die Batterie bringt in der kalten Jahreszeit eine Höchstleistung. Wird das Fahrzeug nur im Kurzstreckenbetrieb gefahren und noch mehrmals täglich gestarte,t schafft es die Lichtmaschine nicht mehr die Batterie voll aufzuladen.

Kommt es zu extremer Kälte bricht die Batterie zusammen und das Auto springt nicht mehr an. Die einzige Möglichkeit wäre eine Versorgung der Standheizung mit elektrischer Energie aus dem Stromnetz, dazu wäre ein entsprechender Trafo nötig, der die Energie von 230 Volt Wechselstrom auf 12 V Versorgungsspannung Gleichstrom der Standheizung herabsetzt, was wiederum voraussetzt das eine Steckdose in der Nähe ist.

Vorteile der Standheizung

  • der Fahrgastraum ist warm
  • die Scheiben sind eisfrei

Nachteile der Standheizung

  • Motor ist kalt und muss erst warm gefahren werden
  • Fahrzeugbatterie wird belastet
  • beim Betrieb der Heizung werden Abgase freigesetzt
  • Betrieb in einer Garage nicht möglich

Motorvorwärmer

Der Vorwärmer wird in den Kühlwasserkreislauf eingebaut, eine Elektroheizung erwärmt das Kühlwasser, eine Pumpe sorgt dafür, dass der Kühlwasserkreislauf ständig in Bewegung ist und somit alle vom Kühlwasser umgebenen Bauteile gleichmäßig warm sind. Der Einbau ist relativ einfach, das Vorwärmgerät wird zwischen den entsprechenden vom Geräte- bzw. Fahrzeughersteller vorgegebenen Kühlwasserschlauch montiert.

Bei einem Motorvorwärmer ist ein 230 Volt- Anschluss erforderlich. Durchschnittlich wird der Kühlkreislauf bis ca. 60°C bzw. 80°C vorgewärmt, bei 60°C ist das für den Motor ein Warmstart.

Vorteile der Motorvorwärmung

  • Fahrzeugbatterie wird nicht belastet
  • Kraftstoffeinsparung
  • Innenraum wird schneller aufgeheizt
  • geringerer Verschleiß Motor und Katalysator
  • schont die Umwelt, die Anlage ist wartungsfrei
  • ein Eingriff in die Fahrzeugelektrik ist nicht erforderlich
  • kann in der Garage betrieben werden

Nachteile der Motorvorwärmung

  • der Fahrgastraum ist kalt und muss erst mit der Fahrzeugheizung erwärmt werden
  • die Scheiben sind trotz warmen Motor gefroren

Aufwand, Nutzen und Kosten

Vor der Entscheidung eine Standheizung, Motorvorwärmung oder beides einbauen zu lassen, stehen die Fragen:

  • Lohnt sich der Einbau?
  • An wie vielen Tagen von den 365 im Jahr sind die Scheiben gefroren?
  • Rechnen sich die Kosten?
  • Ist es nicht günstiger die 10€ Bußgeld zu riskieren beim warmlaufen lassen des Motors?
  • Ist es nicht günstiger etwas früher aufzustehen und in aller Ruhe die Scheiben vom Eis zu befreien?

Taxis und LKW

Taxis sollten und LKW haben meistens Standheizungen und trotzdem laufen an Taxiständen und LKW- Parkplätzen die Motoren. Warum nicht alle Taxis mit Standheizungen ausgerüstet sind dürfte eine Frage der Kosten sein, es ist einfacher und kostengünstiger den Motor laufen zu lassen.

Bei LKW vor allem im Fernverkehr, wo der Fahrer seine Ruhezeit am Wochenende im LKW verbringt, ist das Problem die Batterien. Läuft die Standheizung am Wochenende 48 Stunden durch, werden die Batterien (große LKW haben davon zwei) extrem belastet. Ist die Wochenendruhezeit zu Ende kann es passieren, dass die Batterien (gerade bei extremer Kälte) so geschwächt sind und dem Anlasser nicht genügend Elektroenergie zur Verfügung steht, um den Motor zu starten. So bleibt den Fahrern nichts anderes übrig als stundenlang den Motor laufen zu lassen.

Gibt es für Taxis und LKW eine Alternative? Nein.

Zwar könnte man an Taxiständen, LKW Parkplätzen und Autohöfen für die Bereitstellung von 230 V Anschlüssen sorgen, wie auf einem Campingplatz. Dies müsste voraussetzen, dass der Betrieb von Standheizungen mit auch mit 230 V möglich ist. Ein riesiger Aufwand und extrem hohe Kosten lassen die Idee zur Utopie werden, die Motoren laufen zu lassen ist günstiger, der Umwelt zu liebe.

Zu den in Deutschland ca. 2,8 Millionen zugelassenen LKW gesellen sich noch die ausländischen Fahrzeuge, die immerhin ca. 11 Milliarden Kilometer auf deutschen Mautstraßen fahren, dies dürften nochmals etliche Millionen LKW auf deutschen Straßen ausmachen. Geschätzte 2/3 aller Fahrzeuge dürften im Fernverkehr unterwegs sein und verbringen ihre Ruhezeiten auf deutschen Parkplätzen mit laufenden Motoren, der Umwelt zu lieben. Bei dieser Situation kann man beim warmlaufen lassen des eigenen Autos kaum noch von Umweltverschmutzung sprechen.

Schreibe einen Kommentar